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Video des Monats
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August 2026
Egor Kraft: One & Infinite Chairs (1&∞⑁)
2023, 06:36 Min., Video, Farbe, Ton, 06:35 Min.
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In der Serie „Video des Monats“ stellt die Kunsthalle Dortmund im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor.
Egor Krafts One & Infinite Chairs (1&∞⑁) (2023) macht die Chimäre auf der Ebene der sprachlichen Interpretation und des Zusammenbruchs sichtbar. Kraft beschreibt, wie er ein Text-zu-Bild-Modell mit der Eingabe „ein einzelner Stuhl auf weißem Hintergrund“ trainiert und es anschließend wiederholt anhand seiner eigenen Ausgabe neu trainiert. Nach mehreren Iterationen verliert das Modell allmählich seine Fähigkeit, einen Stuhl zu erzeugen, und liefert stattdessen eine para-figurative Abstraktion. Diese konzeptuelle Maschine untersucht das Symptom rekursiver Rückkopplung und den prognostizierten „Modellkollaps“ der nahen Zukunft – in der es im Internet immer mehr von KI generierte Inhalte gibt und die KI ihren primären Referenten, uns, verliert. Das Werk stellt eine klassische philosophische Frage („Was ist ein Stuhl?“), die in der Geschichte der Konzeptkunst von Joseph Kosuth untersucht wurde, der fragilen Ontologie der KI gegenüber: wenn die Repräsentation sich selbst kannibalisiert und die „Idee“ in einen Zustand der Exartikulation abgleitet. (Text: Egor Kraft)
Egor Kraft (映治 克夫斗) ist ein Künstler, der zwischen Tokio und Wien lebt und Verbindungen nach London und Berlin hat. In seiner forschungsbasierten Praxis untersucht er die gestörten Zustände des zeitgenössischen Lebens als Ergebnis soziotechnischer Veränderungen im globalen Maßstab. Während sich ein Großteil der Kunst, die sich mit Technologie befasst, mit deren Oberfläche als Thema beschäftigt – dem Bildschirm, der Schnittstelle, der Plattform –, geht Kraft weiter zurück, in die rekursiven, rückkopplungsgesteuerten Prozesse, durch die technologische Systeme ihre eigenen Möglichkeitsbedingungen neu definieren und damit auch die Kategorien, mit denen Menschen Handlungsfähigkeit, Wert und Zeit verstehen. Seine Arbeit erfordert oft ein neues Vokabular, gerade weil die Phänomene, mit denen sie sich befasst, bestehende Beschreibungen bereits überholt haben. Seine mehrfach preisgekrönten Arbeiten wurden weltweit in Museen, Galerien und auf Festivals ausgestellt. Er hält Vorlesungen an europäischen und asiatischen Universitäten, veröffentlicht Fachartikel und referiert auf internationalen Konferenzen.