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The Oil Show

The Oil Show

Das Globale Ölfördermaximum (Peak Oil) – die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion – ist heute erreicht. Peak Oil markiert den Zeitpunkt, ab dem sich die Ölförderung nicht mehr steigern lässt. Zukünftig wird die Nachfrage das Angebot immer weiter übersteigen. Die globalen Verteilungskämpfe verschärfen sich. Trotz besseren Wissens wächst unsere Abhängigkeit vom Öl immer weiter. Wir können oder wollen vom Öl nicht lassen. Wir sind abhängig.

Die Ausstellung zeigt künstlerische Arbeiten, die sich mit unserer Abhängigkeit vom Rohstoff Öl sowie den ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Verflechtungen und Auswirkungen dieser wachsenden Abhängigkeit auseinandersetzen.

Die Arbeiten in der Ausstellung erzählen Geschichten der Globalisierung entlang der 2005 begonnenen und 2006 in Betrieb genommenen Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die vom Kaspischen Meer zum Schwarzen Meer führt (Ursula Biemann). Sie kommentieren den geplanten Bau des Gazprom-Turmes in St. Petersburg in einem Brechtschen Singspiel (Chto Delat?) und analysieren die ökonomische Struktur von "The World" in Dubai, einem künstlich geschaffenen Inselarchipel, dessen Umriss aus dem Weltall wie die Weltkarte aussieht (Christian von Borries). Sie reisen in das Nigerdelta, eines der 'Herzen der Finsternis', in welchem seit fast vierzig Jahren ein "ungezügelter Kampf ums Öl" (Die Zeit) tobt (Mark Boulos, George Osodi), sowie auf die japanische Insel Hashima, zur ägyptischen Oase Al Qasr und ins texanische Electra – alles Orte, deren Rohstoffvorkommen – Kohle, Wasser, Öl – restlos ausgebeutet wurden (Carl Michael von Hausswolff & Thomas Nordanstad). Werner Herzog wiederum besichtigt das Schlachtfeld des ersten Krieges, der allein um Öl geführt wurde – die brennenden Ölquellen von Kuwait, die Anfang 1991 auf Anweisung von Saddam Hussein von irakischen Truppen, welche im August 1990 das Land besetzt hatten, in Brand gesteckt wurden.

Einige Künstler in der Ausstellung bedienen sich der Methode der Kartografie: So verfolgt das Bureau d’Etudes in Petropol die Geschichte der globalen Ölwirtschaft vom Ende des Viktorianischen Zeitalters über den Ersten und den Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 2002. Das Diagramm erinnert an eine Straßenkarte, eine absurde Roadmap, deren Wege von den geopolitischen und ökonomischen Interessen der großen Wirtschaftsmächte und ihrer Öl-Unternehmen gezeichnet werden. Mark Lombardi wiederum zeichnet in "George W. Bush, Harken Energy, and Jackson Stephens, c. 1979-1990" mit größter mathematischer Akribie die wirtschaftspolitischen Verflechtungen zwischen Akteuren nach, die gemeinhin als verfeindet gelten, teils einander sogar den Krieg erklärt haben – und setzt so gleichsam einen Nexus von großer Politik und Terrorismus ins Bild.

Eine eher lapidare Intervention in den Alltag vollzieht Heath Bunting mit seiner Aktualisierung alter Protestplakate: Forderten die – teils noch heute an englischen Motorways sichtbaren – Plakate 1989 kämpferisch »BAN MOTOR CARS«, so platzierte Bunting 2003 daneben die Feststellung »GLOBAL WARMING IS YOUR FAULT«. Das kalifornische Center for Land Use Interpretation geht der unsichtbaren Präsenz von Ölfördereinrichtungen im Stadtraum von Los Angeles nach – einem der ältesten und nach wie vor größten Ölfelder der Vereinigten Staaten – und entdeckt unerwartete Tarnungen und Nachbarschaften. Natascha Sadr-Haghighian verbindet in ihrer Arbeit "...deeply__to the notion that the___world is___to the observer... (committed) (real) (external)" persönliche Erinnerungen an die ersten autofreien Sonntage in der Bundesrepublik 1973/74 als Konsequenz der damaligen Ölkrise mit den politischen Implikationen dieser Krise und der parallel laufenden Entwicklung der Konzeptkunst. Michael Mandibergs "Oil Standard" besteht aus einem Plug-In für verschiedene Web-Browser, die nach der Installation alle US-Dollar-Preise auf E-Commerce-Webseiten, die der User ansteuert, in Barrel Rohöl übersetzt. Verschiedene Computerspiele - Oil Imperium (DE 1989), Oiligarchy (IT 2008) und Oil Rush (RU 2011) – geben den SpielerInnen die Möglichkeit, eigene (wenngleich virtuelle) Ölimperien zu bauen und dabei eine Menge über das Öl-Business zu lernen. Und schließlich inszenieren die Künstler eine Werbekampagne für den wertvollen Rohstoff Öl (DOTOILDOT) und transformieren das Dortmunder U, die ehemalige Union-Brauerei, in eine gigantische Öl-Raffinerie (UBERMORGEN.COM).

Mit Arbeiten von: Ursula Biemann (CH), Christian von Borries (DE), Mark Boulos (US/NL), Heath Bunting (UK), Bureau d'Etudes (FR), The Centre for Land Use Interpretation (US), Chto Delat? (RU), Carl Michael von Hausswolff & Thomas Nordanstad (SE), Werner Herzog (DE), Mark Lombardi (US), Michael Mandiberg (US), George Osodi (NG), Natascha Sadr Haghighian (IR/DE), UBERMORGEN.COM (AT/CH), und anderen.